Ein paar (tödliche?) Gedanken

Für mich sind die Cover der Bücher sehr wichtig. Natürlich sollte man ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen. Aber sind wir mal ehrlich, erst entscheidet das Auge. Bei dem Cover zu „Tödliche Gedanken“ von Marcus Johanus war es so. Mir ist die etwas düsteres Farbkombination als erstes aufgefallen. Das scheinbar einsame Mädchen im Feld machte mich dann neugieriger.

Patricia, von allen Patty genannt, ist 18 Jahre alt und ein absoluter Einzelgänger. Sie ist sehr intelligent und belesen, was ihr aber nicht wirklich hilfreich im Umgang mit Ihren Menschen ist. In Ihrer Schule gerät sie ständig mit den Lehrern zusammen und steht kurz vor einem Schulverweis. Das hat sie mal wieder ihrem stark ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn zu verdanken. Als wäre das nicht schon genug, hat sie beinahe einen Unfall mit einem sehr ungehobelten Reporter. Sie ist mit ihrem Rad von der Spur abgekommen weil sie plötzlich ein starkes Summen in ihrem Kopf hört und verstörende Bilder eines Mordes sieht. Sind das Visionen?

Marcus Johanus hat Patty einen sehr starken, eigenwilligen Charakter geschenkt. Mit ihren 18 Jahren ist sie sehr belesen und interessiert sich hauptsächlich für Psychologie. Ihr ernster Charakter macht sie aber zur Einzelgängerin. Einzig ihr Freund Ivo und dessen Mutter Rebecca stehen ihr nahe und wissen mit ihr umzugehen, mit ihrer Mutter Diana hat sie ein schwieriges Verhältnis. Pattys inneres Zerwürfnis ist sehr gut ausgearbeitet. Einerseits ist da der Wunsch nach Nähe zu Diana, andererseits die Wut ob der vielen Geheimnisse um Pattys wahrer Herkunft. Ich konnte mich gut in die Lage beider versetzen und hätte Ihnen am liebsten mindestens eine Stunde friedliche Redezeit verordnet. So hart sie auch zu ihrer Mutter sein mag, natürlich ist sie auch eine 18 jährige junge Frau. Der Charme ihres Schulkameraden Lias bringt in ihr ein wenig die junge Frau hervor, die sie eigentlich sein sollte. Leider kommen sie sich unter dramatischen Umständen näher, und zu dem Zeitpunkt wissen beide noch nicht wie stark ihr Schicksal miteinander verknüpft ist.

Pattys größte Sorge sind allerdings die Veränderungen die sie mitmacht. Sie hat Visionen und kann Gedanken lesen. Als ich dachte, okay das entwickelt sich jetzt eher zu einem Fantasy Roman, kam der Amoklauf. Alles passierte Schlag auf Schlag, ich wollte das Buch gar nicht weglegen. Habe mich in so manch freier Minute gefragt wohin das alles führen wird. Denn Patty erfährt, dass ihr Leben ein einziges, gut behütetes Geheimnis ist. Das Leben in ihrem Heimatort wurde seit ihrer Geburt überwacht und in die richtigen Bahnen gelenkt.

Mir hat der Handlungsort sehr gefallen. Ostdeutschland ist prädestiniert für Spekulationen jeglicher Art. Eine Forschungsstation mit Versuchen an Menschen kommt da ganz gelegen. Die Darstellung der Barackensiedlung hat mir gut gefallen. Ich glaube nur wenige könnten einem leer stehenden Haus im Wald widerstehen.
Ich empfand es auch als sehr angenehm, dass Marcus Johanus die Protagonisten mit wenigen Worten so beschrieben hat, dass ich fast schon ein Foto vor Augen hatte. Sogar deren Körperhaltung war mir sofort präsent. Der Schmierfink Fulgur war mir auf Anhieb unsympathisch. Ein unangenehmer Zeitgenosse.
Etwas suspekt war mir die Leidensfähigkeit von Patty. Mit ihren 18 Jahren erfährt sie in kürzester Zeit verstörende Fakten über ihre eigentliche Herkunft. Muss unheimlich viel Gewalt beobachten und auch selbst ertragen, verliert dabei geliebte Menschen und Freunde. Auch wenn sie kein normaler Mensch ist, und sie immer mehr Fähigkeiten entwickelt,  fand ich es ein wenig übertrieben wie sie das alles körperlich, und vor allem, mental verpackt. Außerdem fehlten mir hier und da ein paar nähere Erklärungen zu Personen und Hintergründen. Allerdings könnte das auch der nötige Spielraum für eine Fortsetzung sein.

Mein Fazit:
Ein rasanter Thriller mit starken Protagonisten und einem interessanten Handlungsort. Ältere Leser sollten sich nicht von der jungen Patty abschrecken lassen; es geht um viel mehr!

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